Das medizinische Teilgebiet der Proktologie beschäftigt sich mit den Erkrankungen des Mastdarmes und des Analkanals ( gr. πρωκτός (proktós) für „After“). Aufgrund der komplexen Funktionalität der Analregion sind Erkrankungen in diesem Bereich nicht nur im Alter sehr häufig. Hierzu zählen gut- und bösartige Tumoren, deren Früherkennung einen wesentlichen Einfluss auf die Prognose haben, aber auch zahlreiche gutartige Erkrankungen, die häufig auch im jungen Lebensalter auftreten und die Lebensqualität erheblich beeinflussen können.

Leider sind Probleme und Erkrankungen im Analbereich auch heute noch stark tabuisiert, niemand spricht gerne darüber. Ärztlicher Rat wird oft erst nach längerer Zeit des Leidens gesucht. Dies führt  häufig zu einem Fortschreiten der Erkrankung und auch zu Folgeschäden, die eine erfolgreiche Behandlung erschweren und langwierig gestalten können. Dabei berichten die meisten Patienten  über eine erhebliche Erleichterung, wenn sie den ersten Schritt unternommen haben und mit ihren Problemen professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Das vorbestehende Schamgefühl tritt dann durch die Linderung der teils erheblichen Beschwerden und die „Überwindung der Barriere“ deutlich in den Hintergrund.

Häufige Erkrankungen im Bereich der Proktologie:

• Hämorrhoidalleiden

• Perianale Thrombose/Analvenenthrombose

• Marisken

• Analfissur

• Analekzem

•Feigwarzen/Condylomata acuminata

• Analfisteln und –abszesse

• gut- und bösartige Tumoren

• Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen/CED (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa)

Dr. Ingo Deist

Facharzt für Chirurgie, Viszeralchirurgie, Proktologie

Geschätzt leiden etwa 50% der über Fünfzigjährigen unter vergrößerten Hämorrhoiden, häufig beginnt die Erkrankung aber schon in weit jüngeren Jahren; Männer sind hiervon häufiger betroffen als Frauen. Die Ursachen, die zur Entstehung eines Hämorrhoidalleidens führen, sind nicht sicher geklärt. Begünstigend für die Entstehung werden eine ballaststoffarme Ernährung, langes Sitzen, genetische Veranlagung (Bindegewebsschwäche), Schwangerschaften sowie nachteilige Gewohnheiten beim Stuhlgang (starkes Pressen) angeführt.

Was sind Hämorrhoiden ?

Unter der Schleimhaut des Enddarmes sind schwammartige Gefäßpolster angelegt, die gemeinsam mit dem inneren und äußeren Schließmuskel des Afters einen wichtigen Bestandteil des Kontinenzorganes bilden, sie dienen hier vor allem dem Feinabschluß. Diese Hämorrhoidalpolster sind damit ein natürlicher und wichtiger Bestandteil der Analregion eines jeden Menschen.

Erst, wenn die Gefäßpolster vergrößert sind und tiefer treten oder vorfallen, spricht man von Hämorrhoiden. Kommt es hierunter zu Beschwerden oder Problemen spricht man von einem Hämorrhoidalleiden.

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Physiologische Anatomie des Mastdarmes 

 

Abhängig von der Größe und des Ausmaßes des Vorfalles, wird das Hämorrhoidalleiden in vier Stadien eingeteilt:

Hämorrhoiden I°: die vergrößerten Hämorrhoidalpolster sind von außen nicht sichtbar und nur im Rahmen einer Proktoskopie zu erkennen

Hämorrhoiden II°: die Hämorrhoiden treten im Rahmen der Stuhlentleerung vor, ziehen sich jedoch spontan wieder zurück

Hämorrhoiden III°: die vorfallenden Hämorrhoiden ziehen sich nicht mehr von selbst zurück und müssen manuell reponiert werden

Hämorrhoiden IV°: eine Reposition („Zurückführen“) der Hämorrhoiden in den Analkanal ist nicht mehr möglich, es liegt ein dauerhafter Vorfall (Prolaps) vor

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Stadieneinteilung des Hämorrhoidalleidens 

 

Häufigstes Symptom des Hämorrhoidalleidens sind schmerzlose peranale Blutabgänge. Diese können einmalig, wiederholt oder auch regelmäßig während der Stuhlentleerung auftreten. Blutungsintensität und –häufigkeit lassen nicht auf das Ausmaß der Hämorrhoidenvergrößerung rückschließen. Ein weiteres häufiges Symptom sind Juckreiz und Brennen als Ausdruck eines Analekzems, welches durch die Störung der Feinkontinenz (für Flüssigkeit und Gase) verursacht wird, es kommt zu einer schleimigen und fäkulenten (stuhligen) Sekretion, die die Haut angreift.

Die Diagnose wird anhand der Beschwerdeschilderung und der körperlichen Untersuchung gestellt, hierzu ist in der Regel die Durchführung einer Proktoskopie (Untersuchung des Analkanals mit einem röhrenförmigen Instrument) erforderlich. Eine Abgrenzung ist erforderlich gegenüber anderen Erkrankungen der Analregion wie Marisken, einer sog. Perianalen Thrombose, einer Fissur und gut-oder bösartigen Tumoren. Insbesondere beim Vorliegen von Blutungen muß in jedem Einzellfall abgewogen werden, ob eine Darmspiegelung erforderlich ist, da die Blutabgänge auch in höher liegenden Abschnitten des Darmes ihre Ursache haben können.

Behandlung des Hämorrhoidalleidens

Wichtiger Bestandteil der Therapie ist eine Optimierung des Stuhlverhaltens. Es konnte gezeigt werden, dass eine ballaststoffreiche Ernährung eine positive Auswirkung auf den Verlauf einer Hämorrhoidalerkrankung hat. Pressen während der Stuhlentleerung (Defäkation) sollte unbedingt vermieden werden.

Zahlreiche Salben, Cremes und Zäpfchen (Suppositorien) stehen zur medikamentösen Behandlung zur Verfügung, die Erleichterung schaffen können. Allen gemeinsam ist die rein symptomatische Behandlung zur Linderung von Beschwerden, eine kausale Therapie ist hiermit nicht gegeben.

Im Rahmen einer Verödung (Sklerosierung) wird eine Substanz in den Bereich der Hämorrhoiden eingespritzt, die zu einer kalkulierten Entzündungsreaktion führt, und durch die darauf folgende Vernarbung lokal den Blutfluss mindert, die Hämorrhoiden schrumpfen lässt und die Hämorrhoidalknoten auf der Unterlage fixiert. Dieses Verfahren eignet sich insbesondere für erstgradig veränderte Hämorrhoiden, ist einfach und schnell durchzuführen, und führt kaum zu Beschwerden oder Komplikationen.

Gummibandligaturen nimmt man eher bei zweitgradig vergrößerten Hämorrhoiden zu Hilfe. Dabei wird mit einer einfachen Apparatur der Hämorrhoidalknoten mit einem Gummiband abgeklemmt, im Gefolge kommt es aufgrund einer Unterbrechung der Blutzufuhr zur Abstoßung des vergrößerten Hämorrhoidenanteiles. Hierunter kann es kurzfristig zu einer sichtbaren Blutung kommen. Bei einem ausgeprägten Befund sind häufig mehrere „Sitzungen“ erforderlich. Zu Beschwerden, allenfalls in Form eines leichten Druckgefühls für wenige Tage, kommt es auch hierbei sehr selten.

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Durchführung einer Gummibandligatur 

 

Beiden Verfahren gemeinsam ist eine nicht geringe Rezidivrate („Wiederauftreten“ der Erkrankung). Die Behandlung ist jedoch in Abständen wiederholbar und führt meist zur Vermeidung oder einem wesentlichen Aufschieben einer Operation.

Eine Operation wird erforderlich bei unter der konservativen Behandlung persistierenden Beschwerden und bei einem fortschreitenden Leiden. Auch bei dritt- und viertgradig vergrößerten Hämorrhoiden verspricht nur eine Operation langfristig eine Heilung. Verschiedene resektive Methoden stehen hierbei zur Verfügung (Operation nach Parks, Fansler-Arnold, Ferguson, Milligan-Morgan), die bei uns alle in Vollnarkose durchgeführt werden. Neuere Verfahren zielen auf den Erhalt und die anatomisch gerechte Replatzierung der Gefäßpolster an ihre ursprüngliche Position (OP nach Longo). Die Methode wird mit Hilfe eines von anal eingeführten Staplers durchgeführt und zeichnet sich für den Patienten postoperativ durch eine sehr geringe Beschwerdesymptomatik im Vergleich zu den traditionellen Verfahren aus, ist jedoch nicht für jede Situation geeignet. Nur bei ausgedehnteren Eingriffen ist eine stationäre Versorgung erforderlich. Welche Methode angewandt wird, entscheiden wir in einem Gespräch in jedem Einzelfall mit dem Patienten gemeinsam.

 

Dr. Ingo Deist

Facharzt für Chirurgie, Viszeralchirurgie, Proktologie

Bei der Perianalen Thrombose oder auch Analvenenthrombose handelt es sich um ein akut einsetzendes Krankheitsbild. Im Bereich des Analrandes bildet sich ein unterschiedlich großer, mitunter sehr schmerzhafter Knoten. Ursache ist ein Blutgerinnsel (Thrombose) in einer der Analrandvenen. Der Begriff der Thrombose führt häufig zu Ängsten, es handelt sich jedoch um eine völlig harmlose Erkrankung.

Die Ursachen für die Entstehung einer Analvenenthrombose sind bis heute nicht geklärt. Häufig sind junge Menschen von der Erkrankung betroffen. Erklärungsversuche erwähnen Pressen bei der Stuhlentleerung, langes Sitzen/Radfahren, Schwangerschaft, Durchfallerkrankungen und andere alltägliche Gegebenheiten als mögliche Auslöser. Aber auch vorgegebene und nicht veränderliche Ursachen wie Gefäßwandschädigungen, verlangsamter Blutfluß und eine veränderte Zusammensetzung der Blutbestandteile werden angeschuldigt.

Abzugrenzen ist die Perianale Thrombose von einem Hämorrhoidalleiden. Häufig wird für die Analvenenthrombose auch irreführend der Begriff der äußeren Hämorrhoide verwandt, obwohl es sich um eine völlig andere Erkrankung handelt – Hämorrhoiden entwickeln sich aus den Hämorrhoidalgefäßen im Analkanal, eine Analvenenthrombose entsteht in den Venen des Analrandes.

Zwei unterschiedliche Behandlungswegstehen zur Verfügung:

• ist die Schmerzsymptomatik erträglich und der Knoten nicht zu groß, und unterbleibt eine spontane Perforation (Platzen), kann abgewartet werden, können Schmerzmittel und entzündungshemmende sowie abschwellende Medikamente verabreicht werden. Meist bildet sich der Knoten dann nach Wochen zurück, gelegentlich verbleibt hier eine kleine Mariske (Falte der Analhaut)

• bei ausgedehntem Befund mit starken Schmerzen empfiehlt sich unter lokaler Betäubung den Knoten zu entfernen. Dies schafft eine sehr rasche Erleichterung, nach einer Woche ist die kleine Wunde gewöhnlich völlig abgeheilt.

Die Entscheidung zur richtigen Therapie wird bei uns immer gemeinsam mit dem Patienten getroffen, denn der Leidensdruck ist hierbei in der Regel der entscheidende Parameter.

Die Entscheidung zur richtigen Therapie wird bei uns immer gemeinsam mit dem Patienten getroffen, denn der Leidensdruck ist hierbei in der Regel der entscheidende Parameter.

 

Dr. Ingo Deist

Facharzt für Chirurgie, Viszeralchirurgie, Proktologie